Was man von hier aus sehen kann – ein Roman über den Tod?

  

Immer wenn Luises Großmutter Selma von einem Okapi träumt, stirbt innerhalb der nächsten 24 Stunden ein Dorfbewohner. In Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ geht es um den Tod und irgendwie auch nicht.
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Als ich die erste Seite des Romans Was man von hier aus sehen kann (Dumont Verlag) von Mariana Leky aufschlug, saß ich am Strand und schaute auf den Atlantik. Es war Mittag und die Sonne stand hoch oben am Himmel, keine Wolke weit und breit. Eigentlich ein wahnsinniger Plan so ganz ohne Sonnenschirm bei brütender Hitze am Strand zu sitzen, allein mit Handtuch, Buch und zwei süßsalzigen Croissants ausgestattet. Meine Rettung war ein kleiner Betonturm, der zwischen all den knallbunten Sonnenschirmen hervorragte. Sein Schatten bot Platz für genau eine Person, um sich gemütlich auszubreiten und den Sonnenstrahlen zu entgehen. Allerdings war dieser Liegeplatz mit Arbeit verbunden. Denn nach einer kurzen Rastpause am Mittagshimmel setzte die Sonne ihre Wanderung fort. Angestachelt von ihrem Bewegungsdrag begann auch ihr Schatten zu wandern. Mir blieb nichts anders übrig als es ihnen gleichzutun und so rollten ich, mein Handtuch und Was man von hier aus sehen kann gemeinsam um den Betonturm – immer dem Schatten hinterher. Die Croissants rollten mit, allerdings konnten sie den Atlantik nicht mehr sehen, da sie längst in meinem Bauch verschwunden waren.

Was man von hier aus sehen kann ist ein Roman in dem es –  augenscheinlich –  um den Tod geht. Immer wenn Luises Großmutter Selma von einem Okapi träumt, ist eines ganz klar: Innerhalb der nächsten 24 Stunden wird ein Mensch sterben. Wen es aus dem kleinen Dorf im Westerwald genau treffen wird, weiß niemand. Nicht einmal Selma. Und obwohl keiner so wirklich an das Okapi glauben mag, löst Selmas Traum bei den Dorfbewohnern Gefühle aus, die von Unbehagen bis Vorfreund reichen. Heimlich, still und leise bereiten sich die einzelnen Dorfbewohner darauf vor, dass es möglicherweise sie selbst sind, die in den nächsten Stunden vom Tod ereilt werden.

Und auch wenn es in Was man von hier aus sehen kann um den Tod geht, so handelt Mariana Lekys Buch doch vielmehr von der Großartigkeit des Lebens – mit all seinen Tücken, Unsicherheiten und Herzschmerzmomenten. Es erzählt von Selma, die eine Vorliebe für Kirschlikörpralinen hat, regelmäßig junge Rehe vor der Schrotflinte rettet und die es eher riskieren würde, in den Trümmern ihres baufälligen Hauses begraben zu werden, als daraus auszuziehen. Es erzählt vom gutherzigen Optiker, der seit Jahrzehnten heimlich vor sich her liebt –  obwohl jeder im Dorf von seiner Zuneigung zu Selma weiß. Es erzählt von der übellaunigen Marlies,  dem wutentbrannten Palm und der redseligen Elsbeth, die gegen jedes Problem ein Zaubermittelchen parat hat. Es erzählt von Martin, der bärenstark ist und am allerliebsten Gewichtheber werden möchte. Und es erzählt von Luise, die liebt – vom Westerwald bis nach Asien und zurück.

Als ich Was man von hier aus sehen kann las, erinnerte mich nur der davon wandernde Schatten gelegentlich daran, dass ich nicht mit Selma und Luise am Küchentisch saß, sondern am Strand lag. Mariana Leky hat eine Geschichte zum eintauchen geschaffen, die sich im Klitzekleinen den ganz großen Themen stellt. In Was man von hier aus sehen kann stimmt jeder Satz, jedes Wort. Alles steht an der richtigen Stelle und passt zusammen. Beim Lesen habe ich mir sehnlichst gewünscht, dass dieses Buch nie endet. Es hat mich zum Lachen, aber auch zum Weinen gebracht und es hat mich getröstet. Lange habe ich überlegt eine Passage aus dem Buch zu zitieren. Letztendlich habe ich mich jedoch dagegen entschieden, denn ich finde: Dieses Buch ist ein Schatz, der sich am besten im Ganzen bergen lässt und dessen wertvolle Einzelteile unbedingt zusammengehören.

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Bei dieser Rezension handelt es sich um eine persönliche Empfehlung, der keine Kooperation mit dem Verlag zugrunde lag. Aufgrund von Personen-, Titel- und Markenennung (Autorin, Buch & Verlag) ist dieser Beitrag dennoch als unbeauftragte und unbezahlte Werbung gekennzeichnet.

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